In einem lesenswerten Spiegel-Interview malt Journalistik-Professor Kay Rosen ("New York University") eine düstere Online-Zukunft für Verleger:
Keine Frage: Im Online-Journalismus werden zukunftsweisende Geschäftsmodelle verzweifelt gesucht. Denn bereits heute finanziert Online-Werbung im Prinzip keine Web-Redaktion.
Wenig Erlöse aus Online-Werbung
Laut dem Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) erwirtschaften deutsche Verleger gerade einmal fünf Prozent ihrer Gesamtumsätze im Web.
Zwar müssen Verlage im Web weniger Fix-Kosten stemmen (Druck, Papier, Vertrieb). Redakteure, Server-Leistungen und Programmierungen müssen dennoch bezahlt werden.
Paid Content funktioniert nicht
ECommerce trägt aber auch keine Online-Redaktion. Zum einen verlieren Tageszeitungen den Kleinanzeigenmarkt zunehmend an spezialisierte Online-Portale.
Zum anderen zeigte nicht zuletzt die Abkehr der New York Times von Paid Content, dass auch Bezahl-Inhalte allenfalls bei spezialisierten Fachverlagen funktionieren.
Lösung: Web-Aggregatoren
"Wo also soll das Geld für Journalismus im Web herkommen?", fragen Fachleute völlig zu Recht. Ein neuer Ansatz wäre, den eigenen Online-Dienst zu öffnen.
Verlage könnten etwa wie Web-Aggregatoren arbeiten und ihren Lesern einfach interessante Artikel der Konkurrenz empfehlen, anstatt selbst das Netz mit der hundersten Copy/Paste-Nachricht derselben Presse-Meldung zu vermüllen.
Verlage müssen es schaffen, sich für ihre Klientel zu einer zentralen und vertrauenswürdigen Anlaufstelle im Web zu entwickeln.
Denn wenn die Verweildauer der Nutzer und die Visits steigen, könnten Verlage zumindest einmal ihre Einnahmen aus Online-Werbung erhöhen.












Wird aus meiner Sicht nicht funktionieren. Das Problem beim Web-Aggregator-Modell ist, dass Verlag A mit Sicherheit nicht seinen Content Verlag B zur Verfügung stellen wird. Zumindest nicht unentgeltlich.
Zudem wird ein Verleger seinen Lesern nur ungern darauf hinweisen, dass Wettbewerber besseren und/oder mehr Inhalte liefern können. Der aggregierte Content hat mit Sicherheit ein Branding.
Wird Werbung geschaltet, werden die Content-Lieferanten mit Sicherheit ihren Anteil haben wollen, falls sie solchen einer Web-Aggregator-Seite zur Verfügung stellen. Es sei denn dieser wird bezahlt, was wieder zu einem Payd-Content-/Syndications-Modell führt - zumindest für die Inhalte-Lieferanten.
Kommentiert von: Ulrich | 01. Januar 09 um 11:58 Uhr